Das Wasser im Waschbecken will nicht mehr richtig ablaufen, in der Dusche steht es bis über die Knöchel. In solchen Momenten holen viele zuerst Natron und Essig aus dem Schrank, und manche versuchen es sogar mit dem Backofenreiniger. Einige dieser Mittel richten bei leichten Belägen durchaus etwas aus, andere verursachen mehr Schaden als Nutzen. Hier erfahren Sie, wann Hausmittel helfen und wann nicht.
Natron, Backpulver und Essig: Was sich im Rohr tatsächlich abspielt
Hinter Natron verbirgt sich Natriumhydrogencarbonat, ein mild alkalisches Pulver. Backpulver hingegen ist eine Mischung aus Natron, einem Säuerungsmittel und einem Trennmittel wie etwa Stärke. Im Abfluss verhält es sich deshalb ähnlich wie Natron, allerdings schwächer, denn jeder Löffel enthält weniger Natron, und ein Teil davon reagiert bereits mit der beigemischten Säure. Essig wiederum ist nichts anderes als verdünnte Essigsäure: Speiseessig kommt üblicherweise auf rund 5 Prozent, Essigessenz auf etwa 25 Prozent.
Schüttet man Natron und Essig zusammen, schäumt es beeindruckend, doch was dabei entsteht, ist lediglich Kohlendioxid, also ein Gas, das nichts zersetzt. Zugleich heben sich Säure und Base in ihrer Wirkung gegenseitig auf, sodass am Ende im Wesentlichen leicht salziges Wasser zurückbleibt. Die Reinigungswirkung ist daher in erster Linie mechanisch: Der Schaum lockert lose Ablagerungen an der Rohrwand und im Siphon. Wenn ein Abfluss nach und nach träger wird, genügt das häufig. Einen festen Pfropfen aus Haaren oder erkaltetem Fett bekommt man auf diese Weise jedoch nicht gelöst.
Welches Hausmittel sich wofür eignet
| Mittel | Hilft am ehesten bei | Hilft kaum bei |
|---|---|---|
| Natron allein | leichten Fettfilmen, Gerüchen | Haarknäueln, festen Pfropfen |
| Backpulver | wie Natron, nur schwächer | allem, was schon Natron nicht schafft |
| Essig / Essigessenz | Kalk- und Urinsteinbelägen | Fett, Haaren, Essensresten |
| Natron + Essig | losen Belägen, regelmäßiger Pflege | festsitzenden Verstopfungen |
| Heißes Wasser | frischen Fettresten in der Küche | Haaren, Kalk, älteren Ablagerungen |
Richtwerte für Abflüsse im Haushalt – eine mechanische Reinigung ersetzen sie nicht
Den Abfluss reinigen – Schritt für Schritt erklärt
Wir empfehlen Ihnen, zunächst mechanisch vorzugehen und Hausmittel erst im Anschluss einzusetzen; viele halten es genau andersherum und verlieren dadurch unnötig Zeit. Die meisten Verstopfungen in Waschbecken und Dusche sitzen erfahrungsgemäß dicht am Ablauf, im Siphon (Geruchsverschluss) oder im ersten Meter der Leitung. Im Bad sind es vor allem Haare und Seifenreste, in der Küche Fett und Kaffeesatz.
So bekommen Sie ein verstopftes Waschbecken wieder frei
- Situation einschätzenKlären Sie zuerst, ob wirklich nur dieser eine Ablauf betroffen ist. Fließt das Wasser auch in Dusche, Toilette oder Kellerablauf schlecht ab, liegt die Ursache tiefer in der Leitung, und dann richten weder Pümpel noch Hausmittel etwas aus.
- Den Pümpel richtig einsetzenVerschließen Sie den Überlauf des Beckens mit einem feuchten Tuch, da sonst der Druck entweicht. Lassen Sie anschließend so viel Wasser ein, dass die Gummiglocke vollständig unter Wasser steht, pumpen Sie mehrmals kräftig und ziehen Sie die Glocke dann mit einem Ruck ab.
- Siphon abschrauben und säubernPlatzieren Sie einen Eimer unter dem Becken und lösen Sie die Überwurfmuttern des Siphons von Hand. Entfernen Sie Haare und Schlamm, spülen Sie den Bogen gründlich aus und werfen Sie einen Blick auf die Dichtungen, bevor Sie alles wieder handfest anschrauben.
- Natron und Essig zur NachbehandlungStreuen Sie einige Esslöffel Natron in den Ablauf und gießen Sie eine Tasse Essig hinterher. Lassen Sie die Mischung etwa 15 bis 30 Minuten wirken und halten Sie den Ablauf währenddessen mit dem Stopfen verschlossen.
- Durchspülen und prüfenSpülen Sie anschließend mit reichlich heißem Leitungswasser nach. Fließt das Wasser danach immer noch zäh ab, sitzt das Hindernis hinter dem Siphon, und dann ist eine Rohrspirale oder ein Fachbetrieb gefragt.
Vorbeugen: Siphon regelmäßig reinigen
Wer seinen Siphon regelmäßig öffnet, kommt nur selten in die Verlegenheit, überhaupt Hausmittel zu brauchen. Als grobe Faustregel gilt: im Bad etwa alle 3 bis 6 Monate, in der Küche etwa alle 1 bis 3 Monate. Zum heißen Wasser: Moderne HT-Abflussrohre halten dauerhaft rund 90 °C aus und vertragen kurzzeitig auch heißeres Wasser. Bei älteren PVC-Leitungen sollten Sie dagegen etwas behutsamer sein und Wasser aus dem Wasserkocher lieber kurz abkühlen lassen.
Warum Backofenreiniger im Abfluss fehl am Platz ist
Backofenreiniger sind in aller Regel stark alkalisch und eigentlich für eingebranntes Fett auf Emaille gedacht. Aus diesem Grund werden sie als Gel oder Schaum angeboten, damit sie auch an senkrechten Flächen haften bleiben. Genau diese Eigenschaft wird im Abfluss zum Problem, denn die zähe Masse bleibt obenauf auf dem Pfropfen liegen, anstatt sich im Rohr zu verteilen. Die Lauge erreicht die Verstopfung im Rohr nicht.
Wer im Anschluss noch zum Pümpel greift, riskiert, dass Lauge ins Gesicht oder auf die Hände spritzt. Gummidichtungen und manche Metallteile am Ablauf werden von starken Laugen angegriffen. Gießt man nach dem Backofenreiniger dann auch noch Essig hinterher, kommt es zu einer heftigen Reaktion mit spürbarer Wärmeentwicklung. Und wenn später ein Fachbetrieb mit Spirale oder Spülgerät anrückt, arbeitet er in einem Abfluss voller Chemikalien, von denen er womöglich nichts ahnt.
Chemischer Rohrreiniger, Hausmittel oder Pümpel – was sich in welcher Lage bewährt
Chemischer Rohrreiniger aus der Drogerie ist meist stark alkalisch und erzeugt beim Auflösen Wärme. Haare und Fett kann er zwar angreifen, doch ist der Abfluss vollständig dicht, bleibt die Lauge im Becken stehen, statt die Verstopfung überhaupt zu erreichen. Ältere Leitungen und Dichtungen leiden unter wiederholtem Einsatz. Sollten Sie bereits Rohrreiniger eingefüllt haben und es tut sich nichts, gießen Sie bitte nichts mehr nach, sondern teilen Sie dem Fachbetrieb mit, welches Mittel sich im Rohr befindet.
Mechanisch oder chemisch vorgehen?
Mechanisch: Pümpel, Siphon, Spirale
- beseitigt das Hindernis tatsächlich
- schont Rohre und Dichtungen
- man sieht sofort, ob es geholfen hat
- mit einfachem Werkzeug umsetzbar
Chemisch: Rohr- und Backofenreiniger
- wirkt nur dort, wo die Lauge ankommt
- Verätzungsgefahr durch Spritzer
- kann Dichtungen und ältere Leitungen schädigen
- macht eine spätere Reinigung durch den Fachbetrieb schwieriger
Hausmittel wie Natron und Essig bewegen sich irgendwo dazwischen: Sie sind verhältnismäßig harmlos, ihre Wirkung bleibt aber überschaubar. Ihre eigentliche Stärke liegt in der Pflege, denn einmal im Monat angewendet, lösen sie frische Beläge, ehe daraus ein echtes Problem werden kann.
Die Toilette: Essigessenz und Zitronensäure gegen Urinstein
Urinstein ist eine mineralische Ablagerung aus Bestandteilen des Urins und Kalk, die sich unter dem Spülrand und im Geruchsverschluss der Toilette festsetzt. Hier sind Säuren tatsächlich das passende Mittel, weil sie die Beläge anlösen. Gehen Sie am besten so vor: Senken Sie zunächst den Wasserstand im Becken, indem Sie etwa mit der Klobürste pumpen oder Wasser abschöpfen. Geben Sie dann Essigessenz oder in lauwarmem Wasser gelöste Zitronensäure hinein, lassen Sie das Ganze über Nacht einwirken, bürsten Sie anschließend gründlich und spülen Sie. Dicke Schichten brauchen mehrere Durchgänge.
Gießen Sie kein kochendes Wasser in das Keramikbecken und kombinieren Sie Säure niemals mit chlorhaltigem WC-Reiniger. Ist die Toilette durch Papier oder Feuchttücher verstopft, hilft Säure gar nicht; dafür benötigen Sie einen Toilettenpümpel mit passendem Aufsatz. Und Urinstein, der sich weiter hinten in der Anschlussleitung festgesetzt hat, erreichen Sie mit Hausmitteln ohnehin nicht.
Woran Sie erkennen, dass Hausmittel nicht mehr genügen
Im Laufe der Jahre lagern sich Fett und Kalk an der Rohrwand ab. Der Querschnitt wird enger, das Wasser fließt langsamer ab, und jede weitere Ablagerung findet leichter Halt. Hausmittel lösen davon bestenfalls die oberste Schicht, sodass der Abfluss für ein paar Wochen besser läuft, bis sich das gleiche Problem wieder einstellt. Die folgenden Anzeichen deuten darauf hin, dass die Ursache tiefer liegt:
- Gleich mehrere Abläufe im Haus sind zur selben Zeit träge.
- Beim Spülen gluckert es in anderen Abläufen.
- Aus dem Bodenablauf im Keller drückt Wasser nach oben.
- Es riecht unangenehm, obwohl der Siphon sauber ist.
- Die Verstopfung kehrt nach wenigen Wochen zurück.
In solchen Fällen sitzen meist hartnäckige Ablagerungen oder eingewachsene Wurzeln in der Sammel- oder Grundleitung. Gerade in älteren Häusern rund um Stuttgart sind die Leitungen erfahrungsgemäß oft Jahrzehnte alt und wurden nie gründlich gereinigt. Eine Kanal-TV-Untersuchung macht sichtbar, was im Rohr vor sich geht, und erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob eine Reinigung ausreicht oder eine Sanierung ansteht.





